Berlin, 11. Juli 2026, ein warmer Sommernachmittag. In wenigen Stunden spielen Die Toten Hosen im ausverkauften Olympiastadion – und zehntausende Fans sind bereits auf dem Weg. Mit der S-Bahn, der U-Bahn, dem Auto, dem Rad oder zu Fuß. Aber woher wissen wir eigentlich, wie sie alle angereist sind?
In diesem Beitrag nehmen wir dich mit hinter die Kulissen und zeigen dir Schritt für Schritt, wie eine Mobilitätsbefragung vor Ort abläuft: vom Teambriefing bis zur fertigen Auswertung.
Warum sich das überhaupt lohnt, haben wir übrigens hier ausführlich erklärt:

Was passiert eigentlich vor dem Konzerttag?
Bevor das erste iPad ausgepackt wird, klären wir gemeinsam mit dem Veranstaltungsteam die wichtigsten Eckdaten:
- Erwartete Besuchendenanzahl – daraus berechnet sich die Stichprobengröße, also wie viele Personen wir befragen müssen, damit die Ergebnisse repräsentativ sind.
- Anzahl und Lage der Eingänge – inklusive der möglichst genauen Adresse jedes Einlasses, denn die brauchen wir später für die präzise Berechnung der Anreiserouten.
- Erwartete prozentuale Verteilung der Besuchenden auf die Einlässe – daraus bilden wir sogenannte Strata und legen fest, wie viele Personen wir an welchem Eingang befragen müssen. Das ist wichtig, weil unterschiedliche Zielgruppen oft unterschiedliche Eingänge nutzen: Wer mit der U-Bahn kommt, betritt das Gelände woanders als jemand vom Parkplatz. Würden wir überall gleich viele Personen befragen, wären stärker frequentierte Einlässe unterrepräsentiert und das Ergebnis verzerrt.
Wie die Verteilung korrekt eingestellt wird und was es mit den Begriffen Gewichtungen und Strata genau auf sich hat, erfährst du in diesem Artikel:

- Uhrzeit des Einlassbeginns – und wie lange vorher die Befragung starten kann. In der Regel können wir schon vor Einlass loslegen, denn oft stehen bereits Superfans geduldig in den Schlangen vor den Toren – ideale Bedingungen, um sie in Ruhe zu befragen, bevor der große Andrang kommt.
- Beginn des Main Acts – und wann die Befragung enden soll. Etwa eine Stunde vorher rauschen die Gäste oft so schnell durch, dass für eine Befragung keine Zeit mehr bleibt – und je nach Location wird es dann auch schlicht zu laut, um sich noch zu verständigen. Deshalb legen wir das Befragungsende bewusst vor diese Phase.
Außerdem rechnen wir selbstständig (also ohne den Veranstalter) die geschätzte Befragungsleistung pro befragender Person aus – also wie viele Gäste eine Person im gegebenen Zeitfenster realistisch befragen kann. Zusammen mit der Stichprobengröße ergibt sich daraus der Personalbedarf. Diesen Wert runden wir immer großzügig auf: Erfahrungsgemäß fällt gerne mal jemand kurzfristig aus, oder die Befragung läuft nicht bei allen gleich zügig. Lieber eine Person mehr im Team als eine zu wenig.
Für unser Konzert sah das konkret so aus: Da wir von einem ausverkauften Olympiastadion ausgingen, planten wir mit 65.000 Besuchenden. Daraus ergab sich eine Zielstichprobe von 1.443 Befragungen – so viele Personen mussten wir erreichen, damit die Ergebnisse repräsentativ sind. Einlass war um 15:30 Uhr, die Vorbands starteten um 17:00 Uhr, Die Toten Hosen spielten von 19:45 bis 22:00 Uhr. Den Befragungsstart legten wir 1,5 Stunden vor Einlass (inklusive 30-minütigem Briefing), das Befragungsende eine Stunde vor dem Auftritt der Hosen – macht ein Befragungsfenster von rund 4,25 Stunden (abzüglich Pausen). Bei einer geschätzten Leistung von 50 Befragungen pro Person und Stunde schafft eine Person also etwa 213 Befragungen. 1.443 Befragungen geteilt durch 213 ergibt 6,8 – aufgerundet brauchten wir demnach sieben Befragende.
Du planst gerade deine erste eigene Mobilitätsumfrage? In diesem Beitrag führen wir dich durch alle Vorbereitungsschritte:
Der Konzerttag: Ein Protokoll
14:00 Uhr – Treffpunkt vor dem Stadion
Wir treffen unser Befragungsteam, das uns heute tatkräftig unterstützt, pünktlich um 14 Uhr vor dem Olympiastadion. In einer kurzen Einweisung erklären wir die Software und gehen gemeinsam ein paar Probeläufe durch – nach wenigen Minuten sitzt der Ablauf bei allen. Danach teilen wir das Team entsprechend der erwarteten Verteilung der Gäste auf die Eingänge auf und starten die Befragung. Unsere Annahme zu Beginn: Die Besuchenden verteilen sich etwa 50/50 auf Ost- und Südeingang.
Nachmittags – Die Realität korrigiert den Plan
Nach einer Weile merken wir: Es kommen deutlich mehr Menschen über den Osteingang mit der U-Bahn an, weniger über den Südeinlass (Der wahrscheinliche Grund: eine S-Bahn-Baustelle). Also passen wir die Verteilung direkt in der App auf 65/35 an. Dadurch ändern sich automatisch die Stichprobengrößen an den jeweiligen Einlässen – und am Südeingang brauchen wir plötzlich weniger Personal, das wir an den Osteingang umverteilen können.
15:30 Uhr – Einlassbeginn
Vor Einlassbeginn lassen sich die Schlangen, die sich an den Toren bilden, wunderbar abarbeiten – die Wartenden haben Zeit und machen gerne mit. Sobald die Tore öffnen, verlagern wir die Befragung in den Hof vor dem Stadion, hinter die Einlasskontrollen. Dort sprechen wir vor allem Menschen in den Schlangen an den Getränke-, Essens- oder Merchständen an, aber auch herumstehende Gruppen und Einzelpersonen. Zwischendurch legt jede*r eine Pause ein.

18:45 Uhr – Geschafft!
Pünktlich um 18:45 Uhr sind wir durch: Die geplante Stichprobengröße ist an allen Einlässen erreicht. Eine Stunde bevor Die Toten Hosen die Bühne betreten, ist unsere Arbeit für heute erledigt. Und die Daten sind bereits vollständig im System.
Und was passiert danach mit den Daten?
Nach der Befragung geht es auf der Auswertungsseite weiter: Dort vergleichen wir die Ergebnisse mit vorangegangenen Konzerten und können konkrete Aussagen treffen – etwa, wie sich der Anteil der ÖPNV-Anreise im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen entwickelt hat und welchen Einfluss das auf die CO₂-Bilanz des Events hat. Der Veranstalter erhält so eine belastbare Datengrundlage, um die Anreise seines Publikums gezielt nachhaltiger zu gestalten.
Mehr zu der Auswertungs-Oberfläche findest du in diesem Artikel:

Was bedeutet das für dein Event?
Ob ausverkauftes Stadionkonzert mit 75.000 Fans oder Theaterabend mit 400 Gästen – der Ablauf bleibt im Kern derselbe: gute Vorbereitung, ein eingespieltes Team vor Ort, flexibles Monitoring und eine Auswertung, die aus Antworten belastbare Erkenntnisse macht.
Du möchtest wissen, wie dein Publikum anreist? Dann melde dich hier bei uns – wir zeigen dir gerne, wie eine Mobilitätsbefragung bei deiner Veranstaltung aussehen könnte.




